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Digitales Antennen-Radio

DAB

Das Digital Audio Broadcasting (DAB) ist ein digitaler Übertragungsstandard, der speziell für den Radioempfang über Antenne entwickelt wurde und besonders gut für den mobilen Empfang auch bei hohen Geschwindigkeiten geeignet ist. Nachdem DAB zum europäischen Standard erklärt wurde, besteht in Europa offiziell die Absicht, die bisherige Ausstrahlung analoger Hörfunkprogramme über UKW zu beenden und durch DAB zu ersetzen. Allerdings ist mehr als unklar, wann es damit soweit sein könnte und ob DAB dann überhaupt noch der beste Standard für digitales Radio sein wird. DAB verwendet ein Komprimierungsverfahren, das schon heute durch bessere Verfahren überholt ist, die zudem kleinere Audio-Dateien erzeugen.

Großbritannien ist der derzeit am besten entwickelte Markt für DAB. Dort sind mehr als drei Millionen DAB-Empfangsgeräte (von 12 Millionen weltweit!) verkauft und DAB-Audioprogramme können praktisch flächendeckend empfangen werden. In Deutschland liegt der Netzausbau bei 80 Prozent, der Erfolg von DAB ist mit geschätzten 250.000 verkauften Empfangsgeräten nicht mit dem britischen zu vergleichen. Finnland und Schweden haben mangels Konsumenteninteresse sämtliche DAB-Aktivitäten eingestellt.

 

Weiters ist es vielerorts möglich, DAB im Grenzland zwischen Österreich und der Schweiz zu empfangen, da eine DAB-Ausstrahlung in der Schweiz nahezu flächendeckend gewährleistet ist.

 

In Österreich ist die Frequenzplanung für ein flächendeckendes DAB-Netz längst abgeschlossen, es gibt aber bisher kein gesteigertes Interesse der Hörfunkveranstalter daran, ihre Programme im DAB-Verfahren auszustrahlen.

 

DAB ermöglicht unter anderem auch das zusätzliche Versenden von Textinformationen zur Darstellung auf den Displays der Empfangsgeräte (Musiktitel, Verkehrsinformationen etc.) und die Übertragung stehender Bilder.

 

Eine Neuordnung der Rundfunkfrequenzen in Europa, die insbesondere durch die Digitalisierung des Antennenfernsehens möglich wird, wird auch für DAB neue Kanäle eröffnen und höhere Sendeleistungen ermöglichen. Dadurch werden bisherige und häufig kritisierte Nachteile von DAB (z.B.  vielfach schlechter Indoor-Empfang in Deutschland) voraussichtlich stark minimiert werden.

 

DAB oder DAB+

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, DAB-Programme zu übertragen:


Sowohl im heute üblichen MP2-Format ("normales" DAB), sowie seit kurzem auch im MP4-Format (DAB+ genannt). 

Um den Qualitätsanspruch auch mit niedrigen Bitraten erfüllen zu können, reichte das unabhängige Konsortium zur DAB-Verbreitung, WorldDMB, das Verfahren HE AAC+ v2 als ergänzendes Kodierungsverfahren für DAB zur Standardisierung ein. Der Empfang von Sendern, die eine Codierung nach HE AAC+ V2 verwenden, ist nur mit DAB-Empfängern möglich, die zusätzlich mit einem Decoder für HE AAC+ V2 ausgestattet sind. Derzeitig gibt es jedoch weder eine nennenswerte Anzahl von Empfängern noch entsprechende Programme die diese Erweiterung nutzen. Mit dem Ziel die Empfänger, die zusätzlich zum MPEG1 Layer 2 auch HE AAC+ V2 decodieren zu können, voneinander zu unterscheiden, wurde die Bezeichnung "DAB+" von WorldDMB geschaffen. Hierbei handelt es sich jedoch um einen reinen Marketingnamen, der nicht Bestandteil des Standards ist.

Geräte, die DAB+ empfangen können, werden mit dem Ziel der Abwärtskompatibilität auch DAB-Sendungen nach dem jetzigen Verfahren (MPEG 1, Layer II) empfangen können. Fraglich bleibt des weiteren ob und wann die ersten Sender DAB+ verwenden werden, erst dann ist ein Erfolg dieser Technologie abzusehen.

Im Moment verwenden alle in Europa ausgestrahlten Programme, die auf der DAB Technologie beruhen, das "normale", MPEG 1 Layer II codierte, DAB.

 

HD-Radio™

HD Radio™ (High Definition Radio) ist ein digitales Radioverfahren, das sich durch weitgehende Kompatibilität mit der herkömmlichen analogen UKW-Technik auszeichnet. Einem herkömmlichen UKW-Programm wird auf der bestehenden Frequenz ein Signal hinzugefügt, welches das gleiche Programm nochmals in digitaler Form enthält.

Der anfängliche analog-digitale Hybridbetrieb wird nach abgeschlossener Einführung von HD Radio™ in einen rein digitalen Betrieb überführt. Daraus resultiert eine wesentlich grössere Datenrate, welche entweder zur Übertragung einer grösseren Anzahl Programme oder einer grösseren Menge von Zusatzdaten genutzt werden kann.

Die Nettodatenrate für das Audiosignal ist im Hybridbetrieb kleiner als bei DAB. Sie liegt bei 96 kB/s, ermöglicht dank modernster Kompressionstechnik aber eine mit analogem UKW oder MP3 128 kbB/s vergleichbare Qualität.

HD Radio™ bietet wie DAB Möglichkeiten für Zusatzdienste, vergleichsweise resultiert eine deutlich geringere Datenkapazität.

 

Bis jetzt wurde HD Radio™ außer in den USA nur in der Schweiz im Rahmen eines Testbetriebes installiert, ob sich diese Technologie aber auch längerfristig in Europa hält, bleibt zu bezweifeln.

 

DRM und DRM+

Digital Radio Mondiale wurde zur Übertragung digitaler Radioprogramme über Kurz-, Mittel- und Langwelle entwickelt. Im Vergleich zu dem fröhlichen Rauschen und Knistern, das die auf diesen Wellen analog verbreiteten Sender üblicherweise begleitet, ist DRM ein riesiger Fortschritt, denn derartige Störungen bleiben mit DRM aus. Dem Vergleich mit analog über UKW ausgestrahlten Hörfunkprogrammen hält DRM allerdings nicht stand, zumal DRM auch grundsätzlich nicht für die Ausstrahlung von Stereoton gedacht ist (zwar möglich, aber dann von Qualitätseinbußen an anderer Stelle begleitet).

 

DRM optimiert im Prinzip nur den Vorteil, den Kurz-, Mittel- und Langwelle im Gegensatz zu UKW bieten: mit einem Sendemast können Radioprogramme über riesige Entfernungen transportiert werden – mit Hilfe von DRM auch in hörbarer Qualität. Da sich die Transportkapazität von Kurz-, Mittel- und Langwelle am einfachsten mit „Weit aber Wenig“ beschreiben lässt, sind diese Frequenzbereiche weniger für den Transport großer Datenmengen geeignet. Daher sind Kurz-, Mittel- und Langwelle eher für Sprach- als für Musikprogramme geeignet. Daran ändert auch die Digitalisierung mittels DRM nicht viel.

 

Als eine echte Alternative zu DAB könnte sich dagegen DRM+ erweisen, das eine Fortentwicklung von DRM zum Einsatz auf UKW-Frequenzen ist. Allerdings befindet sich DRM+ erst in der Entwicklung. DRM+ wird ein moderneres Audio-Komprimierungsverfahren verwenden als DAB und soll auch gute Eigenschaften für den mobilen Empfang zeigen.

 

Ein Vorteil von DRM+ könnte auch dessen Eignung für Einzelaussendungen sein. Während eigentlich alle digitalen Rundfunkverfahren auf dem Prinzip der Bündelung mehrerer datenkomprimierter Programme auf einem Kanal basieren (erst im Empfangsgerät werden die einzelnen Programme wieder entbündelt), soll DRM+ es erlauben, Hörfunkprogramme einzeln digital auszustrahlen. Der Bandbreitenbedarf wäre dabei natürlich erheblich geringer, als für ein analog über UKW ausgestrahltes Programm. Diese Besonderheit von DRM+ wäre zum Beispiel für kleine, lokale Radiostationen eine gute Nachricht, die weder das Geld noch das Interesse haben, mit größeren Radiostationen in einem digitalen Audiostrom gebündelt und dann weit über ihre gewünschten Grenzen hinaus mit ausgestrahlt zu werden.

 

Es bleibt zweifelhaft, ob DRM+ den Vorsprung des älteren DAB-Verfahrens noch einholen kann, da in vielen europäischen Ländern – aber auch weltweit – schon hundertfache Millionenbeträge in den Ausbau von DAB-Netzen und Sender-Infrastruktur investiert wurden.


DMB und DVB-H

Die beiden digitalen Übertragungsstandards für digitales Antennenfernsehen zum Empfang auf Geräten mit sehr kleinen Bildschirmen (z.B. Handys) sind grundsätzlich ebenfalls zur Übertragung von digitalen Radioprogrammen geeignet. DMB ist ohnehin eine Fortentwicklung des DAB-Standards für die zusätzliche Übertragung von Video-Dateien und kommt daher ursprünglich aus der digitalen Radiowelt.

 

Also unabhängig davon, welcher der beiden Standards sich beim Handy-TV durchsetzt, wird man am Handy dann theoretisch auch digitale Radioprogramme empfangen können. Praktisch bleibt abzuwarten, ob DMB und/oder DVB-H jemals tatsächlich ein Plattform für digitales Radio darstellen werden, da eher anzunehmen ist, dass die zukünftigen Anbieter von Handy-TV nach Möglichkeit alle Übertragungskapazitäten für Fernsehen und nicht für Radio nutzen werden.

 

Aus heutiger Sicht wenig wahrscheinlich ist es aber, dass DMB- oder DVB-H-fähige Geräte hergestellt werden, die ausschließlich für den Empfang von Radioprogrammen geeignet sind, also nicht über einen Bildschirm verfügen. Die Teilnehmer eines Testbetriebes im Großraum London, bei dem Handy-TV und Radioprogramme in Kombination angeboten wurden, begrüßten diese Auswahl am Handy ganz überwiegend.

 

DVB-T

Auch das vorwiegend für die Übertragung von digitalem Antennenfernsehen entwickelte Verfahren aus der DVB-Familie ist für die Übertragung von digitalem Radio geeignet. Auch sind Mischkanäle möglich, auf denen sowohl Fernseh- als auch Radioprogramme übertragen werden.

 

In der Regel sind Set-Top-Boxen für den DVB-T-Fernsehempfang auch für den Empfang von DVB-T-Radioprogrammen ausgelegt (Händler fragen!) und könnten an einen Receiver der Stereoanlage angeschlossen werden. Akustisch meist weniger reizvoll, aber möglich, wäre auch das Radiohören über die Lautsprecher des Fernsehers.
Auch mobile DVB-T-Fernsehempfänger in der etwaigen Größe von Taschenbüchern und kleiner kommen zunehmend auf den Markt. Auch diese Geräte können meist ebenso für den DVB-T-Radioempfang verwendet werden.

 

Der mobile DVB-T-Empfang bei höheren Geschwindigkeiten – z.B. im Auto – gilt als nicht besonders stabil. Hervorragende Eigenschaften lassen sich aber mit so genannten Diversity-Empfängern erzielen. Für ein DVB-T-Testprojekt in Graz (2004) wurde eine Audio-/Video-Anlage mit Diversity-Empfänger von BMW in ein Testfahrzeug eingebaut. Dabei werden zwei Stummel-Antennen in engem Abstand am Dach befestigt. Das ist auch in ästhetischer Hinsicht durchaus vertretbar. Der DVB-T-Empfänger wählt beständig das bessere Empfangssignal aus oder kombiniert die Signale von beiden Antennen. Die Ergebnisse waren absolut überzeugend.

 

Fraglich ist allerdings, ob DVB-T auch in der Praxis für die Verbreitung von Radioprogrammen genutzt werden wird. Würde ein DVB-T-Fernsehkanal ausschließlich für digitales Radio verwendet werden, so könnten etwa 50 Programme darüber ausgestrahlt werden. Insbesondere in Österreich wären weder für nationale, noch für regionale Bedeckungen so viele Radiosender zusammen zu bekommen. Fände sich aber eine kleinere Zahl von Radiosendern, die über DVB-T ausgestrahlt werden wollte, so müssten diese wahrscheinlich auch die Kosten der ungenutzten Kanal-Kapazität unter sich aufteilen und an den Sendenetzbetreiber zahlen. Das dürfte zu teuer werden.
Aber auch das eingangs erwähnte Mischkanal-System (Radio und Fernsehen in einem Kanal) wird für Österreich zumindest mittelfristig wahrscheinlich nicht greifen. Da in guter Qualität etwa drei bis vier Fernsehprogramme auf einem DVB-T-Kanal ausgestrahlt werden können (abhängig von dem „Platzbedarf“ für mit gesendete Angebote wie MHP-MultiText oder EPG), werden die zwei Kanäle, mit denen das digitale Antennenfernsehen in Österreich an den Start geht, wahrscheinlich schnell ausgereizt sein. Da der zweite Kanal zudem auch teilweise für DVB-H verwendet werden kann und die Priorität für die Programmbelegung beider Kanäle auf Fernsehangeboten liegt, dürfte Radio keine oder nur eine sehr kleine Rolle im Zusammenhang mit DVB-T spielen. Nicht ganz auszuschließen ist aber, dass vielleicht Platz für Radioprogramme im kleinen, einstelligen Bereich bleibt.